Eine Herzensangelegenheit – wenn das Herz mit den Pfoten nicht Schritt halten kann

Aktualisiert: Juni 10

Jingle hat ein großes Herz – wer immer ihm das flauschige Fell hinter den Öhrchen krault bekommt ein „Öööörrrrr“ und einen Katzenbuckel als Dankeschön. Aber leider schützt ein noch so großes Herz vor Schaden nicht.


Bereits als junger Kater mit genau einem Jahr bekam Jingle die Diagnose hypertrophe Kardiomyopathie, kurz HCM oder HKM. Gleich bei der Mitteilung der Diagnose teilte mir eine sehr einfühlsame Tierärztin mit, dass es für diese Erkrankung keine Heilung gibt und der Tod häufig leidvoll ist. Ich war am Boden zerstört. Ich weinte tagelang, nächtelang, mit meinem kleinen Seelentiger friedlich auf meinem Schoß oder auf meiner Brust zusammengerollt selig schlafend. Aber von Anfang an und nur die Meilensteine.



Jingles Symptome

Was führt dazu, dass man mit einem kleinen putzigen Kater genau ein Jahr nach seiner Geburt (2016) bei einem Kardiologen sitzt? Die ersten (merklichen) Symptome zeigten sich in Jingles erstem Sommer (2017). Zu diesem Zeitpunkt war er ungefähr ein dreiviertel Jahr alt. Damals ging ich regelmäßig mit Jingle an der Leine nach draußen, aber mit fortschreitendem Sommer wurde Jingle, vor allem draußen, immer träger. Nach sehr kurzen Sprints und Spielereien mit Baby hechelte er und legte sich abgekämpft nieder, noch bevor er richtig in Schwung gekommen war. Irgendwann rannte und spielte er überhaupt nicht mehr. Er trotte ein paar Meter und legte sich wieder hin. Seine Atmung war oft hektisch und arhythmisch. Er döste viel und kam mir vor, als wäre er um 20 Jahre vorgealtert. Als er anfing auch ohne körperliche Anstrengung zu hecheln packte ich ihn mir unter den Arm und marschierte mit ihm zur Tierärztin. Diese hatte gleich den Verdacht einer Herzerkrankung und empfahl mir den Gang zum Kardiologen. Gesagt getan.


Die Untersuchung

Genau wie bei einem Menschen wurde zur Abklärung einer Herzerkrankung eine Echokardiografie durchgeführt. Hierbei wird das Herz mit einem Ultraschallgerät sichtbar gemacht und hinsichtlich seiner Größe, der dicke der Herzwände, dem Schluss der Herzklappen, dem Pump-Volumen und der Gefäße untersucht. Die beste Sicht bekommt der TA, wenn der Tiger auf der Seite liegt. Hierbei fühlte sich Jingle nicht besonders wohl, aber lies es über sich ergehen. Im Laufe der Jahre mit wederholten Untersuchungen wehrte er sich zunehemends. Aus einem eigentlich iefenentspannten Kater wurde spätestens ab dem Zeitpunkt ein kleines Nervenbündel, als ihm bei einer Untersuchung ohne Betäubung die Blase punktiert wurde. Ein Eingriff, der mich zutiefst schockiert hat, denn es hätte einiges schief gehen können.


Die Diagnose

Ein Jahr nach seiner Geburt bekam Jingle also seine Diagnose: hypertrophe Kardiomyopathie (HCM). HCM ist eine der häufigsten Herzmuskelerkrankungen bei Hauskatzen und soll Kater mehr als Katzen betreffen. Nicht selten tritt diese Erkrankung in den ersten Lebensjahren auf und entwickelt sich oft unentdeckt im Verborgenen, da Katzen als Meister des Verbergens ihr Leid meist so lange verstecken können, bis es 5 vor 12 ist.


Bei einer HCM kommt es zu einer Verdickung des Herzmuskels. Je dicker der Muskel, umso mehr verliert er an Elastizität und Beweglichkeit. Diese Muskel“versteifung“ hat zu Folge, dass das Blut nicht mehr mit Schmackes weitergepumpt wird. Es kann zu Stauungsproblemen im Herz kommen und als Folge dessen kann es passieren, dass der Vorhof sich vergrößert, weil er durch das angestaute Blut ausleiert und die Herzklappen, die das Blut davon abhalten sollen zurück zu fließen, nicht mehr (vollständig) schließen. Genau so ist es bei Jingle. Die äußere Herzwand der linken Hauptkammer ist verdickt. Das Fassungsvolumen der Hauptkammer wird hierdurch kleiner. Da das Blut aber irgendwo hin muss, drückt es kräftig in den Vorhof, der dem vielen Blut nur Herr werden kann, indem er immer größer wird. Der erhöhte Druck führt zusätzlich dazu, dass die Herzklappe, die dafür sorgen soll, dass das Blutt aus der Hauptkammer nicht zurückfließt, nicht mehr vollständig schließen kann. Also kommt es zum Rückfluss des Blutes aus der Hauptkammer in den Vorhof.


Die Prognose

Es wurde mir gleich verständlich gemacht, was ich mit meinem medizinischen Fachwissen ohnehin schon wusste. Nämlich, dass es für diese Erkrankung keine Heilung gibt. Der Verlauf ist progredient, also fortschreitend. Was einmal verdickt ist, wird nicht wieder dünner. Bestenfalls wird der Zustand erhalten, schlechtestenfalls verdickt sich der Muskel immer weiter. Mir wurde erklärt, dass sich im Endstadium, wann immer das auch sein würde, nicht selten Wasser in der Lunge sammelt oder Thromben, also Blutgerinnsel, bilden. Die betroffenen Tiger sterben also an ersticken oder können nicht mehr laufen, weil ein Thrombus häufig das Blutgefäß für die Hinterbeine verstopft. Die erwartete Lebenserwartung? Ungewiss. Jingle könne in wenigen Wochen versterben oder noch mehrere Jahre leben. Dass viele Katzen oder Kater, die bereits so früh erkrankt sind, nicht viel älter werden als 3 Jahre musste ich erst einmal sacken lassen. Dann hätte Jingle ein Drittel seines Lebens bereits hinter sich, obwohl es gerade erst begonnen hatte. Als ich zuhause ankam und alle Informationen angekommen waren, begann der Teil mit dem am Boden zerstört sein.


Die Therapie

Bezüglich der Therapie habe ich Unterschiedliches und Widersprüchliches gehört und gelesen. Mal heißt es Medikamente gibt es nicht, aber L-Carnitin ist unbedingt erforderlich. Dann heißt es wieder, dass L-Carnitin keinen Effekt haben soll und Medikamente helfen könnten. Ich habe im Laufe der Jahre bei mehreren Untersuchungen mit mehreren Ärzten einiges erlebt. Zu Beginn hieß es, die HCM sei nur leicht ausgeprägt. Nach einem umzugsbedingten Kardiologenwechsel sagte eine andere Tierärztin, dass Jingle auf einmal im Endstadium mit vergrößertem Vorhof, bereits abgestorbenen Herzzellen (wie bei einem Herzinfarkt), einer nicht mehr vollständig schließenden Herzklappe und einem beginnenden Rückstau sei. Eine Achterbahn der Gefühle mit Talfahrt. ACE-Hemmer wurden verschrieben. Es kam wieder ein Umzug und ein damit verbundener Tierarztwechsel. Nun kam der Klopper: der neue Kardiologe war auf einmal der Meinung, dass Jingle gar keine Herzerkrankung habe. Woher all seine Symptome kommen, konnte er jedoch nicht erklären. Ich halte es für nahezu unmöglich, dass die 3 Kardiologen zuvor alle eine Fehldiagnose gestellt haben und Jingle hat obendrein Symptome. Nach 4 verschiedenen Kardiologen, verschiedenen Meinungen und einem Vermögen weniger auf dem Konto hatte ich die Schnauze voll.


Ich habe letztes Jahr beschlossen die Untersuchungen einzustellen, da diese keinen Mehrwert bringen. Diagnose und Symptome bleiben ja doch die selben. Ganz im Gegenteil sind die Untersuchungen ein hohgradiger Stressfaktor und belasten das kleine Herzchen nur zusätzlich. Jingle hat mittlerweile nur noch Angst und das vor jedem Tierarztbesuch, seine Symptome werden mit den Medikamenten etwas besser, also bekommt er diese im Sommer.


Im Winter geht es ihm sehr gut und er ist ein ganz normaler Kater der springt und spielt. Im Sommer, wenn seine Symptome ab etwa 20 Grad Außentemperatur zunehmend auftreten, sorge ich für ein möglichst kühles Plätzchen mit Fliesen und Kühlmatte. Wie bei jedem Herzpatienten sorge ich für möglichst viel Bewegung ohne ihn zu überlasten, achte auf eine seine Ernährung und ein gutes Körpergewicht, da Übergewicht das Herz zusätzlich belasten würde. Jedes Jahr im Dezember frage ich mich: ist das unser letztes Weihnachten, unser letzter gemeinsamer Jahresbeginn? Die Sommer machen mir jedes Frühjahr aufs Neue Sorgen. Ich freue mich dagegen jedes Jahr auf den Herbst, wenn die Temperaturen wieder sinken und Jingle aufblüht. Je kälter es draußen wird, desto besser geht es ihm. Im Winter jagt er den Schneeflocken nach und flitzt in einem Affenzahn über den Balkon. Das ist die Zeit, die wir besonders genießen.



Eine ganz besondere Kommunikation

Im letzten Jahr hätte ich Jingle um ein Katzenhaar einschläfern müssen. Der Sommer war einfach zu viel für sein Herz. Er lag apathisch in seinem Korb und reagierte auf nichts mehr. Nicht auf seinen Namen, nicht auf Berührung, nicht auf Futter. Jingle ist mein Seelenkater. Er versteht alles was ich ihm sage, er folgt mir auf Schritt und Tritt, er schläft nachts dicht an meine Beine gepresst, damit ich nicht heimlich die Wohnung verlassen kann, er antwortet auf jede Frage und bedankt sich für jedes Leckerlie mit einem liebevoll „öööörrrr“. Er ist eine durch und durch liebenswerte Persönlichkeit mit ganz viel Herz. Im wahrsten Sinne des Wortes. Daher steht für mich fest: Jingle soll nicht leiden müssen. Ich muss ihn gehen lassen, wenn es soweit ist. Auch wenn ich seine flauschigen Pfoten nicht loslassen kann. Deshalb war letztes Jahr, als Jingle nicht mehr ansprechbar war für mich klar, dass ich ihn erlösen muss. Ich hockte mich vor meinen kleinen Drops und fragte „Jingle, soll ich dich zum Tierarzt bringen? Möchtest du einschlafen?“. Jingle, der vorher nicht einmal auf sein heiß geliebtes Futter reagiert hatte, machte auf einmal die Augen auf und guckte mich an. Dann krabbelte er langsam zur Haustür und setzt sich hin. Ich war völlig perplex. Wollte er wirklich zum Tierarzt oder wollte er mir sagen „Es ist noch nicht so weit. Lass uns rausgehen.“. Ich nahm seine Leine und ging mit ihm vor die Tür. Er stakste langsam die Treppen vor dem Haus hoch, setzt sich auf die oberste Stufe und guckte zufrieden über den Garten und die Stadt hinweg. So saßen wir dort, mein Seelenkater und ich. Für etwa eine halbe Stunde. Dann taperte er wieder ins Haus und so ein furchtbarer Tag wie dieser kam bisher nicht wieder.


In diesem Herbst werden wir seinen 4. Geburtstag feiern – hoffentlich ist er dabei.

Alle Pfötchen sind gedrückt.


HCM tritt häufiger auf, als man meinen mag und Katzen sind hervorragende Geheimniskrämer. Spätestens wenn Katzen hecheln sollte ein Tiearzt der Ursache auf den Grund gehen, denn anders als Hunde hecheln Katzen für gewöhnlich nicht. Sie schwitzen nur über ihre Pfoten.


Eure Sophia mit Jingle



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